
02. Juli 2009
Gegen Gammel in Restaurants - für den Smiley und für foodwatch
Mit Sicherheit haben Sie auch schon mal einen Bericht über verdreckte Restaurants gelesen oder im Fernsehen gesehen: Da ist dann von frei laufenden Kakerlaken die Rede, von verschimmelten Zapfanlagen oder gar von unverpackten Lebensmitteln, die auf dem verschmutzten Boden herumliegen.
Manches Detail ist so widerwärtig, dass man es gar nicht glauben mag. Sogar Rattenplagen kommen in deutschen Restaurantküchen vor!
Mehr als ein Drittel (!) aller Restaurants in Berlin-Pankow ist verschmutzt
Nun könnte man glauben, das alles seien Ausnahmen, denn wie heißt es so schön: "Schwarze Schafe kommen überall vor." Das allerdings entspricht leider nicht der Realität.
Bei einem Pilotprojekt in Berlin-Pankow stellte sich heraus, dass von 2.500 kontrollierten Restaurants 850 gravierende Mängel aufwiesen!
Als "gravierende Mängel" gelten z.B. stark verdreckte Küchengeräte, zu warm gelagertes Fleisch, verschimmelte Lebensmittel oder stehendes Abwasser auf dem Fußboden.
Das wiederum bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit - wenn Sie oder ich das nächste Mal in einer Gaststätte sitzen - gar nicht so klein ist, dass die Küche, aus der wir unser dampfendes Essen serviert bekommen, entweder total verschmutzt ist oder - wenn wir noch größeres Pech haben - sogar in ekelerregendem Zustand.
Die Behörden kennen die Schmuddel-Restaurants - aber halten ihr Wissen geheim
Die Frage, die sich die meisten Menschen angesichts dieser Zustände stellen, ist, wie sie es denn verhindern können, unwissentlich in einem solchen Restaurant zu landen.
Die unbefriedigende Antwort muss leider lauten: Wenn Sie nicht in Berlin-Pankow ins Restaurant gehen, wo die Kontrollergebnisse seit März dieses Jahres immerhin im Internet veröffentlicht werden, haben Sie diese Möglichkeit nicht.
Denn die Behörden, denen die Kontrollergebnisse vorliegen, hüllen sich in Schweigen. Und das, obwohl das im Mai 2008 in Kraft getretene Verbraucherinformationsgesetz dafür sorgen sollte, dass künftig "Ross und Reiter" genannt werden.
Aber genau das passiert nicht!
Die Informationen und Daten aus der Lebensmittelüberwachung werden zwar jährlich in einem Jahresbericht veröffentlicht, aber ohne, dass dabei die Namen der beanstandeten Betriebe oder Hersteller genannt werden.
Schluss mit der Anonymität - Ross und Reiter müssen genannt werden!
Da fragt man sich natürlich: Was soll das? Es ist ja klasse zu wissen, dass in unzähligen Restaurantküchen unhaltbare hygienische Zustände herrschen. Aber was bringt mir das?
Außer dem Ärgernis, dass ich mich jetzt vielleicht sogar in tadellos geführten Betrieben unsicher fühle? Die Lösung ist einfach: Es müssen auf jeden Fall die Namen der Gaststätten genannt werden! Dann könnte sich jeder interessierte Bürger vor dem Restaurantbesuch informieren und seine Entscheidung für oder gegen den Besuch von dieser Information abhängig machen.
Dänemark hat mit dem Smiley-System eine Lösung gefunden!
Besser wäre es allerdings noch, wenn das Ergebnis der Lebensmittelkontrolle direkt vor Ort am Eingang des Betriebes gut sichtbar aushängen würde. Dann wären vorab keine aufwendigen Recherchen nötig und die Information könnte ganz bequem in die spontane Restaurantauswahl einbezogen werden.
Von so einem Schlaraffenland wagen Sie gar nicht zu träumen? Na, dann sollten Sie mal einen Blick in unser Nachbarland Dänemark werfen! Dort ist dieser - uns als paradiesisch anmutende - Zustand Realität. Seit 2001 müssen dort die Inhaber von Lebensmittelbetrieben darüber informieren, wie sie bei der letzten Lebensmittelkontrolle abgeschnitten haben.
Vier Punktgesichter sorgen für Klarheit
Smiley-Grafiken zeigen jedem Besucher auf einen Blick, wie das Restaurant abgeschnitten hat. Es gibt insgesamt vier Smileys, also vier Bewertungsstufen: Vom fröhlich lachenden Smiley, der signalisiert, dass es keinerlei Beanstandungen gibt, bis zum traurigen, der bedeutet, dass das Unternehmen eine Strafverfügung erhalten hat oder ihm sogar die Geschäftszulassung entzogen wurde.
Inzwischen kennt jeder dänische Verbraucher das Smiley-System und 97 Prozent (!) finden es gut. Ein toller Nebeneffekt: Das System sorgt nicht nur für Transparenz, sondern bewirkt gleichzeitig eine Qualitätssteigerung. Denn der Anteil der mit strahlenden Smileys bewerteten Betriebe stieg von 70,1 Prozent im Jahr 2002 auf 82,8 Prozent im Jahr 2008.
foodwatch und die Bevölkerungsmehrheit sind für den Smiley
Wir wollen, dass dieses System auch bei uns eingeführt wird und stehen damit nicht allein da. Laut einer von uns in Auftrag gegebenen aktuellen Emnid-Umfrage wünschen sich 87 Prozent der Bundesbürger die Einführung des Smiley-Systems nach dänischem Vorbild auch in Deutschland!
Quelle: PM Bürgerbewegung Foodwatch


