Zitat: Ich stehe Statistiken etwas skeptisch gegenüber. Denn laut Statistik haben ein Millionär und ein armer Kerl jeder eine halbe Million.

21. August 2009
Frau Merkel, die Linke und der Wert von Umfragen
-Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast-
Dieser - vermutlich irrtümlich - Winston Churchill zugeschriebener Spruch ist von der Linken-Politikerin Gesine Lötzsch um eine neue Variante ergänzt worden: Interpretier jede Umfrage so, dass Du sie nicht mehr eigens fälschen musst.
"Die Mehrheit der Ostdeutschen ist von der Kanzlerin enttäuscht", ließ die Vizefraktionsvorsitzende gestern per Pressemitteilung wissen.
Als Quelle nannte sie eine von der Linksfraktion in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage des Sozialwissenschaftliches Forschungszentrums Berlin-Brandenburg.
Die Forscher hatten einer repräsentativ ausgewählten Gruppe aus den neuen Bundesländern Aussagen präsentiert und sie diese auf einer Skala von "trifft voll zu" bis "trifft nicht zu" bewerten lassen.
Eine davon lautete: "Ich erwarte von der Bundeskanzlerin mehr Engagement für ein gegenseitiges Interesse der Ost- und Westdeutschen."
42 Prozent entschieden sich für die Antwort "trifft voll zu", 35 Prozent für "trifft eher zu". Daraus machte die Linke flugs: 77 Prozent sind von Angela Merkel enttäuscht.
Nun lernt jeder Student der Kommunikationsforschung schon im Grundlagenkurs Empirie, wie man Umfragen beeinflussen kann. Eine Methode besteht darin, dass man bereits in der Formulierung die gewünschte Richtung vorgibt.
So bleiben in diesem Fall einige Fragen offen. Was genau ist unter einem Engagement "für ein gegenseitiges Interesse der Ost- und Westdeutschen! zu verstehen?
Und wie wäre wohl die Antwort ausgefallen, wenn man gefragt hätte: "Wie schätzen Sie das Engagement der Bundeskanzlerin ein?"
Dank Gesine Lötzsche sind wir um eine Lebensweisheit reicher: Traue keiner Statistik, die du nicht selber falsch gedeutet hast.
Quelle: Süddeutsche Zeitung


